Eine Kritik an der Kritik

Frage:Was empfielst du bezüglich der Kritik unter Gottgeweiten innerhalb der eigenen Mission oder gegen Mitglieder anderer Missionen?

Svami B.A. Paramadvaiti: Alle Ehre sei der Vaisnava-Demut und unseren spirituellen Meistern. Dieses Thema teilt Euch meine Gefühle über die Notwendigkeit besserer Beziehungen zwischen den Vaisnava-Missionen mit. Grosszügige Wertschätzung des Glaubens und der Aktivitäten anderer ist im Kali-Yuga wahrhaft selten zu finden. Es ist erstaunlich, wie streng viele miteinander umgehen. Selbst Fehler der Vergangenheit scheinen keine Verfallzeit zu haben. Sogar schwerwiegende Fehler werden von den meisten Rechtssystemen vergeben, wenn sich die Person für eine lange Zeit gut betragen hat und keine weiteren Fehler beging.

Wenn ich jene kritisiere, die andere übermässig kritisieren, werde ich Teil des gleichen Fehlers. Was ist zu tun? Welche Haltung sollte man annehmen, um in der Lage zu sein, eine positive, konstruktive Beziehung mit anderen zu erhalten, sogar wenn zwischen ihnen eine Beziehung einer gegenseitigen oder einseitigen Kritik besteht? Liebe Freunde haben mich beschuldigt, auf Kosten der Wahrheit, den “lovee dovee style” in Beziehungen zu suchen oder sogar Vaisnava Aparadha zu befürworten.

Ich frage mich, wie sie wohl den dritten Vers des Siksastakams auffassen und es betrübt mich, auf welch grobe Weise, einige Menschen ihre gegenseitige Abscheu oder ihr Missfallen über falsche Situationen der Gegenwart oder der Vergangenheit zum Ausdruck bringen. Sri Krishna, der dies alles zulässt, möchte uns wohl um des Predigens Willen, in viele Richtungen schicken. Sogar im Namen des Predigens, machen einige Gottgeweite die harte Arbeit des Dienstes anderer zu nichte. Wir mögen uns fragen, ob es eine Lösung ist, sich zu verstecken und es zu vermeiden, all diejenigen, die in solch kritische Austäusche involviert sind zu sehen. Oder können wir einfach Beziehungen auf einer Ebene führen, auf der wir alles ignorieren, was wir nicht gerne hören oder sehen, als ob es nicht existieren würde, und einfach die Wertschätzung für den Vaisnava uns gegenüber behalten?

Ich habe das starke Gefühl, dass wir all diese kritischen Austäusche und Uneinigkeiten als von Gott gewollt betrachten sollen, um uns verantwortlich werden zu lassen, um zu predigen und um liebevolle Familien zu etablieren, vielmehr als Zeit zu verschwenden, inden wir über die Defizite derjenigen sprechen, die sich bemühen etwas zu tun.

Srila Prabhupada zeigte uns in dieser Angelegenheit definitiv ein paar wichtige Beispiele. Er unterhielt beispielsweise sehr nette Beziehungen mit verschiedenen Gottbrüdern, selbst dann wenn sie keine oder eine schlechte Beziehung untereinander hatten. Er wies auch darauf hin, dass es nicht an uns wäre, seine Gottbrüder zu kritisieren, sogar wenn er es unabsichtlich getan haben sollte.

Nicht zuletzt tun all diese grossartigen Seelen so viel für die Bewegung Lord Caitanyas. Sogar diejenigen, deren Beziehungen oft angespannt sind oder die manchmal als anstössig und übermässig kritisch erscheinen, bringen wundervolle Vaisnava-Bücher heraus, eröffnen Zufluchtsstätten für Vaisnavas, helfen der neuen Generation, werben neue Gottgeweite an, helfen Gottgeweiten, die aus irgendwelchen Gründen ihren Glauben verloren haben, finden neue Wege, um Mahaprabhus Botschaft überall hin zu verbreiten, predigen im Internet und verehren den höchsten Herrn auf so viele andere wundervolle Weisen.

Wenn Krishna unzufrieden ist, zeigt er uns das sicherlich auch auf eine Art. Manchmal können die Umstände einen Jeden dazu bringen, die Absichten anderer misszuverstehen. Oftmals bekommen wir falsche Informationen von dritten Gesellschaften und mögen überreagieren ohne zuerst handfeste Beweise einzuholen. Oder wir vergessen, dass Millionen von Menschen über kein Wissen von Krishna verfügen, denen wir mehr Aufmerksamkeit schenken sollten, anstatt uns gegenseitig genau zu überprüfen und Internet-Foren mit unseren Meinungen übereinander zu füllen.

Was für wundervolle Dinge wurden doch über die Jahre von solch entschlossenen Seelen, wie den Schülern Srila Prabhupada Bhaktisiddhantas und den Schülern seiner Schüler vollbracht. Wenn ich eine Liste all dieser wundervollen Dienste für die Welt, zusammenstellte, würde es ein Buch füllen. Ich stimme zu, dass es in jeder Mission ein Forum geben muss, wo sich Gottgeweihte, die sich unterdrückt, misshandelt oder missverstanden fühlen, Sadhu Sanga suchen, ihrer Meinung Luftmachen und Gerechtigkeit für sich selbst finden können.

Allerdings wäre es besser, wenn die Öffentlichkeit von solchen Einzelheiten verschont bliebe, um dem Ruf aller Vaisnava-Missionen gerecht zu werden. Es wäre auch nett, wenn jemand etwas anstellt, persönlich an ihn heranzutreten, um ihm die Chance einzuräumen, seinen Fehler zu korrigieren, anstatt es zu einer missionsübergreifenden Angelegenheit aufzubauschen. Ganz zu schweigen von einer weltweiten Thematisierung des Problems vor Lesern, die wahrscheinlich niemals die ganze Geschichte erfahren werden. Verdrossene Mitglieder einer Mission treten manchmal Missionen anderer Gurus bei. Dies ist ein Potential für heftige Zusammenstösse, aber das ist nicht wirklich ein neues Problem.

Ich denke, dass seit Menschengedenken, diejenigen, die sich nicht wohlfühlten, auf den Weg machten, um ihr Glück anderswo zu suchen. Mit Erfolg oder nicht, wird sich anhand des Verzeichnisses ihres spirituellen Wachstums oder aber ihrer Stagnation zeigen.

Für mich selbst habe ich entschieden, sehr vorsichtig zu sein. Einen Gottgeweiten übermässig zu glorifizieren, ist weniger gefährlich als das Gegenteil zu tun. Für meine Freunde empfehle ich folgende Richtlinien: 01) Verurteile niemals andere Vaisnavas. 02) Respektiere all diejenigen, die den Versuchungen Mayas länger wiederstanden haben als du, ganz zu schweigen von denen, die einer älteren Generation angehören. 03) Erlaube nicht deinem Geist, in anderen Fehler zu finden, nur um einen Grund zu haben, deine falsche Vorstellung der Überlegenheit auszubauen. 04) Wenn jemand dein spirituelles Leben beeinträchtigt, versuche Zusammenstösse zu vermeiden. Gehe der Person aus dem Weg und erweise ihr Respekt aus einer Entfernung. 05) Bleibe in engem Kontakt mit denen, die andere nicht kritisieren und völlig darin aufgehen, anderen zu spirituellem Fortschritt zu verhelfen. 06) Würdige niemals die Bemühungen anderer, das Krishna-Bewusstsein zu verbreiten, herab. 07) Fälle kein Urteil über andere Prediger oder Missionen anhand äusserlicher Unterschiede im Vergleich zum Predigerstil deiner Mission. 08) Bitte immer um die Barmherzigkeit aller Vaisnavas. 09) Missachte niemanden, der ernsthaft nach der Wahrheit sucht. 10) Fühle dich nicht anderen, die du nicht verstehst, überlegen. 11) Höre niemals auf freundlich zu sein, selbst wenn sich jemand schlecht benimmt. Vermeide lieber weitere Erschwerungen solcher Konflikte und konsultiere einen fortgeschrittenen Vaisnava, wie du mit der Situation umgehen solltest. Vergiss nicht, dass im Kali-Yuga, selbst wenn du alle Streitereien vermeiden möchtest, jemand versuchen könnte, dich in einen Kampf zu verwickeln.

Denke zuerst, bete intensiv, denke wieder, suche nach göttlicher Eingebung, denke an deinen Gurudeva und wie er sich in dieser Situation verhalten würde. Nun handle – viel Glück! Bevor du einen Brief schreibst oder irgendeine Notiz für ein öffentliches Forum, zeige dieses Schreiben deinem spirituellen “Vormund”. Frage dich selbst: Ist dies hilfreich für mich selbst oder andere, um Bhakti zu entwickeln? Werde ich nicht jemanden auf unzulässige Weise unglücklich machen, der das lesen könnte? Wird der Leser seine Wertschätzung für meinen Guru vergrössern, wenn er das liest? Ist es nicht besser, zuerst einen anderen Weg zu nutzen, um meine böse Ahnung, bzw. Befürchtung im Zusammenhang mit einer Person oder Situation zu klären, bevor ich es vor die Augen der Öffentlichkeit trage?

Mische dich nicht in die Konflikte anderer Vaisnavas ein, es sei denn sie bitten dich zu vermitteln. Wiederhole nicht die Worte deines Gurus, welche seine Gottbrüder kritisiert haben, falls er das tut, aber dir ist es von ihm untersagt dies zu tun. Wenn dein Guru jemanden für ein Vergehen oder was auch immer für einen Fehler, vergeben hat, dann sei nicht intelligenter als er es ist, indem du neue Ausgaben dieser vergangenen Geschichte herausbringst.

Wenn du mit Schülern anderer Gurus kommunizierst, achte darauf, dass nur ermutigende Worte von dir zu hören sind, um ihren Glauben zu stärken. Wenn du in dieser Hinsicht, aus irgendwelchen Gründen, nicht auf grossmütige Weise fühlen oder handeln kannst, vermeide jeglichen Kontakt mit ihnen. Wer auch immer von seinen Schülern als ein Vaisnava Acarya akzeptiert wird, befindet sich unter der alleinigen Gerichtsbarkeit des höchsten Herrn. Jeder Versuch, in höhere oder niedere Gurus zu klassifizieren, wird mit Sicherheit verletzte Herzen und unglückliche Beziehungen hervorrufen.

Solltest du dich durch einen Vaisnava verletzt fühlen oder werden andere durch sein falsches Verhalten verletzt, erinnere dich daran, dass es einen höchsten Kontrollierenden gibt. Entziehe dich einfach diesem Umstand. Informiere einen höhergestellten Vaisnava und fahre fort, nach der höchsten Wahrheit zu suchen. Erinnere dich immer daran, dass manchmal göttliche Personen, wie Srila Narada Muni und sogar Sri Krishna selbst, Konflikte erzeugen, jemanden blosstellen oder sein Ansehen schmälern, um die göttliche Mission und unser individuelles Wachstum zu vergrössern.

Manchmal würden wir ohne solche “Vaikuntha-Charakter-Konflikte” einfach unter uns bleiben, schöne Hari Katha und Kirtana geniessen und die Leiden der Nicht-Gottgeweihten ignorieren. Manchmal wird ein Gottgeweihter von Krishna zurechtgewiesen, fällt von einer angesehenen Stellung als führender Prediger, Sannyasi oder sogar dem Amt des spirituellen Meisters herunter.

Dies hat in vielen Gottgeweiten grosse Traurigkeit hervorgerufen und ihre Reaktionen sind auch natürlich, selbst wenn sie unangebracht erscheinen. Erwachsenwerden ist oft leidvoll. So viele Lektionen haben wir zu lernen und die Kultur des Krishna-Bewusstseins ist so neu für die westliche Welt, ganz ohne den Rückhalt von Erfahrungen oder Kultur. Da kommt es unweigerlich zu Problemen. Srila Prabhupada schrieb, dass ein Gottgeweihter, der nach seiner Einweihung herunterfällt, niemals mit einem Nicht-Gottgeweiten gleichgestellt werden darf. Natürlich hat es sich auch anhand einiger schmerzvoller Fehler gezeigt, dass wenn ein Gottgeweihter die allgemeingültigen Gesetze bricht und nicht vor dem Gericht zur Verantwortung gezogen wird, es ein schreckliches Bild der gesamten Vaisnava-Gesellschaft abgibt. In solchen Situationen solltest du höhergestellte Vaisnavas und die gesetzlichen Autoritäten informieren, doch die, die andere Gottgeweihte fallen lassen und in Bezug auf ihre religiösen Gelübde versagen, sollten nicht erniedrigt werden, indem man ihr Fehlverhalten zu einer weltweiten Angelegenheit macht. Es genügt schon, wenn die dadurch Betroffenen die Realität kennen.

Wir möchten keine Zeitschrift für Skandal- und Sensationsgierige machen oder Streitfragen, bezüglich eines Gottgeweiten verbreiten, welche vielleicht später durch die Barmherzigkeit Krishnas und der Vaisnavas bereinigt werden. Es macht uns unglücklich, wenn irgendjemand von einer Mission Schwierigkeiten hat oder einer Vaisvava-Mission irgendwelche Probleme wiederfahren. Wir sind glücklich, wenn Vaisnavas grosszügig die Bemühungen anderer schätzen und sich zusammenfinden, wie beispielsweise zur “World Vaisnava Association” und den vielen Komitees, welche eine gemeinsame Basis für die Zusammenarbeit, hinsichtlich der grossen Angelegenheit des Vaisnava-Dienstes auf allen Plätzen dieser Erde, bieten.

Handle nicht anders ausser in einem absoluten Notfall. Ihr mögt es als eine Dreistigkeit meinerseits empfinden, so viele Empfehlungen zu geben. Ich fühle sehr stark in meinem Herzen, dass für den Erhalt der Würde des Vaisnavatums, keine Bemühung ausgelassen werden sollte, um all die guten Entwicklungen zu unterstützen und zu ermutigen, und zu versuchen, jede unglückliche Situation zu beenden, wenn sie sich in unserer Reichweite abspielt, was gewöhnlich nicht der Fall ist. Das richtige Beispiel, wie es von unseren grossartigen Gurus, wie Srila Prabhupada, Srila Sridhar Maharaj und Srila Bhakti Promod Puri Maharaja gegeben wurde, ist positive Arbeit. Jedenfalls ist es erstaunlich, wie mehr und mehr Gottgeweihte heute versuchen, den Ruhm ihres Gurus und ihrer Mission aufrechtzuhalten.

Es würde mich sehr unglücklich machen, wenn irgendjemand von ihnen, ihre Gnade zu mir, diesem Anwärter auf wahren Dienst zu seinen geliebten spirituellen Schirmherren, zurückziehen würde. Ich selbst habe viele schwierige Zeiten durchgemacht, als ich bemerkte, wie sich die Dinge in verschiedenen Vaisnava-Missionen entscheidend anders entwickelten, als ich es erwartet hatte.

Ich habe auch, bei dem Versuch den richtigen Handlungsweg zu finden, viele kritische Komentare abgegeben. Wenn irgendeines meiner Worte einen Vaisnava unglücklich gemacht oder das natürliche gesunde Vertrauen in jemanden gestört hat, betrachte ich das als ein grosses Unglück in meinem Leben, bitte um Verzeihung und die Chance, es durch Dienst zu meinem Guru und den Vaisnavas wieder gut zu machen.

Die Barmherzigkeit der Vaisnavas, das ist alles was ich mir wünsche. Dies ist mein ein und alles. Ohne die Gottgeweihten wäre ich am Ende. Hoffnungslos verloren in der Welt der Lust, des Zorns und der Gier. Ich rufe zu allen von ihnen aus, bitte seht über meine Fehler hinweg und gewährt mir die Segnungen eures Dienstes und eurer Gemeinschaft. Bitte betet zu Krishna für diese unwürdige Seele und seine Bestrebungen.

Eine Strasse ist immer gut. Sogar in schlechtem Zustand, sie kann immer noch verbessert werden. Vaisnava-Missionen sind wie Strassen. Sie neigen dazu, sich nach einiger Zeit zu verschlechtern. Sie sind nicht das Ziel, aber sie sind hilfreich und oftmals notwendig für die Menschen, um das Ziel zu erreichen. Missionen, Institutionen, Familien – kurz: mit anderen Egos und Interessen auf engem Raum zu leben und zu teilen, ist oft eine schmerzhafte Erfahrung.

Aber dies ist unsere Wiege. Unser Platz zum wachsen und lernen. Unsere geliebten Brüder und Schwestern, Onkel und Tanten, Väter, Grossväter und andere Zweige des selben Familienbaumes. Was immer da ist, ist gut, sogar wenn es im Moment schlecht ist. Ein blinder Onkel ist besser als kein Onkel. Ein anstössiger Bruder ist besser als kein Bruder. Eine fehlerhafte Mission ist besser als keine Mission.

Liebe bedeutet, in der Lage zu sein, die Fehler anderer zu tolerieren. Vaisnavatum bedeutet, die Unterschiede zu harmonisieren, die richtigen Einstellungen vorzunehmen. Im Absoluten kann und wird alles harmonisiert sein. Das ist die Geschichte aller Vaisnava-Missionen und es wird auch so bleiben, selbst in unser nächsten Nähe und der uns folgenden Generation.

Vaisnavadasanudas
Svami B.A. Paramadvaiti